Ein Stück Geschichte der Arbeiterbewegung
Errungenschaften der Arbeiterbewegung werden wohl kaum auf Anhieb mit einem Strandbad in Verbindung gebracht. Verwirklicht wurde diese Idee vor über 75 Jahren am Hallwilersee mit dem Arbeiterstrandbad Tennwil, das heute zu dem meistbesuchten im Aargau zählt. Jede Saison besuchen Tausende von Badegästen und Camper die idyllisch gelegenen Anlage zwischen Seengen und Meisterschwanden.
fk. Unverfänglich-neutral weist der Wegweiser an der Hauptstrasse zwischen Seegen und Meisterschwanden zum "Strandbad Tennwil". Kaum jemand käme auf den Gedanken, dass hier vor über 75 Jahren ein bedeutendes Stück Aargauer Geschichte der Arbeiterbewegung geschrieben wurde. Heute unterscheidet die einstige "Arbeiterbadi" praktisch in nichts mehr von andern Badeanlagen am Hallwilersee: Die bescheidenen Holz-Baracken sind längst einem modernen Betriebsgebäude gewichen und ein Blick auf den Parkplatz an schönen Sommertagen macht unmissverständlich klar, dass hier Leute aus allen Bevölkerungsschichten, ungeachtet ihrer politischen Färbung, Erholung im und am Wasser suchen. Die Stiftung "Arbeiterstrandbad Tennwil" dagegen ist bis auf den heutigen Tag fest in den Händen der Arbeiterbewegung geblieben.
Ein Heimatrecht gesichert
Gegründet wurde der "Verein Arbeiterstrandbad" (später - 1965 - in eine Stiftung gleichen Namens umgewandelt) am 2. Februar 1935. Ausgegangen war die Initiative von Fritz Baumann, dem späteren SP-Oberrichter. In ihm reifte während einer sonntäglichen Bootsfahrt auf dem Hallwilersee die Idee, den "kleinen Leuten, den Arbeitern, ein Heimatrecht am See zu sichern, bevor es zu spät ist". Denn längst schon hatte er erkannt, dass die Hänge am Hallwilersee nach und nach von den Reichen in Besitz genommen wurden.
Das Ganze hört sich so einfach wie eingängig an, doch so einleuchtend die Idee auch sein mochte: Den Gedanken in die Tat umzusetzen, gestaltete sich äusserst schwierig, und der Idealismus wurde mehr als einmal auf eine harte Probe gestellt. Zum einen stiess die Absicht der "Roten", in der idyllischen Gegend von Tennwil eine Badi zu errichten, in bürgerlichen Kreisen, namentlich auch bei den Banken, die um einen Kredit für den Erwerb des Grundstückes angegangen wurden, nicht auf Gegenliebe.
Zum andern war das Echo in der Arbeiterschaft auf den Aufruf, beim Verein Arbeiterstrandbad mitzumachen, nicht sonderlich vielversprechend. Die schweren Zeiten mitten in der Wirtschaftskrise lasteten zu sehr auf den Arbeiterfamilien. In einer Zeit, in der die Arbeitsämter steigende Arbeitslosenzahlen meldeten und Arbeitseinsätze in Notstandsprogrammen zur Tagesordnung gehörten, blieb wenig Raum für Idealismus und noch weniger für Freizeitvergnügen.
Ein Treffpunkt der Arbeiterschaft
Allen Widerwärtigkeiten zum Trotz konnte nach nur viermonatiger Bauzeit das "schönstgelegene Seebad" am 7. Juni 1935 eröffnet werden. Ein bescheidenes Gebäude, das aber über alle nötigen Infrastrukturen wie Küche, Café, Toiletten und Duschen verfügte. Gefeiert wurde das neueröffnete Arbeiterstrandbad als "Werk sozialistischer Solidarität", und man sprach von einem Band, das geknotet worden sei und die aargauische Arbeiterschaft zusammenhalte. Die Zielsetzung war in einfachen Statuten festgehalten: "In erster Linie soll das neue Strandbad der Arbeiterschaft dienen". Hier sollte sie Treffen und Tagungen abhalten können. Und hier sollte sie auch ihre sportlichen Wettkämpfe durchführen können.
In den ersten Betriebsjahren blieb man denn auch meist unter sich. Der Betrieb beschränkte sich auf die schönen Wochenenden. Man kam gemeinsam mit dem Velo, anfallende Arbeiten wurden gemeinsam erledigt, freiwillige Helfer bereiteten Suppe, Brot und Heisse Würste zu. Wie keine vergleichbare Freizeitanlage bot die Arbeiterbadi ein Ort der Geborgenheit in einer Zeit, in der die Kluft nach dem Generalstreik von 1919 tief geworden war, Arbeitslosigkeit sowie täglich sich widersprechende Meldungen aus Hitler-Deutschland den Alltag prägten und die Arbeiterschaft und deren Familien in Unruhe und Sorge versetzten. Im Arbeiterstrandbad war wenigstens an Wochenenden Gelegenheit, "abschalten" zu können. Hier trafen Leute der Arbeiterbewegung zusammen, hier fand die Sozialistische Jugend offene Türen und hier genossen auch verschiedene Arbeitervereine für ihre Wettkämpfe Gastrecht.
Zu einem bedeutenden und modernen Unternehmen gewachsen
Im Laufe der Zeit hat sich das Arbeiterstrandbad zu einem beachtlichen Unternehmen entwickelt. Warf das Strandbad in den ersten Betriebsjahren rund 4000 Franken pro Badesaison ab, so bewegt sich heute der Umsatz bei über dreiviertel Millionen. Für Aufschwung sorgten insbesondere die "Camper", die mit ihren Wohnwagen und Zelten der Stiftung eine willkommene und weitgehend "witterungsunabhängige" Einnahmequelle verschaffen. Neben diesen fest vermieteten Saisonplätzen, stehen aber auch Ferienplätze zur Verfügung. In der Regel finden auch Durchgangstouristen mit kleinen Zelten die nur für eine oder zwei Nächte bleiben wollen ein Plätzchen. Für grössere Zelte oder Wohnwagen oder für längere Zeit empfiehlt es sich allerdings vorher Kontakt aufzunehmen. 1990 wurden die alten Gebäulichkeiten durch ein modernes Betriebsgebäude mit allen erforderlichen Infrastrukturen ersetzt. Tennwil ist der einzige Aargauer Zeltplatz mit Seezugang und verfügt über eine grosse Liegewiese (z.T. mit Bäumen), ein Volleyballfeld, Pingpong-Tische und einen schönen Kinderspielplatz. Neu angeschafft wurden vor einigen Jahren vier 4er-Peddalos. Zusammen mit den zwei Ruderbooten steht den Strandbad- und Campinggästen eine günstige „Seeflotte” zur Verfügung. Zualledem bietet die Hallwilersee-Landschaft ungezählte Möglichkeiten zum Wandern - zu Fuss oder mit dem Velo.
Auch für die vielen dem See entlang Wandernden bietet das Strandbad Gelegenheit eine Rast einzuschalten. Wer sich am Selbsbedienungs-Restaurant stärken will, muss keinen Eintritt bezahlen. Überhaupt hat sich das Strandbad Tennwil in den letzen Jahren immer mehr geöffnet. Mit Betriebsleiter Daniel Leuenberger kam 1999 zudem auch im kulinarischen Bereich ein neuer Wind ins Strandbad. Nicht nur ist das Angebot reichhaltiger geworden, es besteht auch die Möglichkeit sich für spezielle Anlässe (Familenfeiern, Betriebsausflüge, etc.) bewirten zu lassen.
Am 26. Dezember 1999 hat der Sturm Lothar auch im Strandbad gewütet und hat das alte Massenlager massiv beschädigt. Dies hat den Stiftungsrat dazu gebracht die mittelfristige so oder so vorgesehene Renovation vorzuziehen und einen modernen aber schlichten Neubau erstellen zu lassen. An Stelle der beiden Massenlagerzimmer traten neu 4 Achtbettzimmer und ein 2erZimmer. Weiterhin steht ein Gruppenraum und eine Küche für die Selbstversorgung zur Verfügung.
Aktuelle Temperaturen
| Temperatur | Wind |
|---|---|
| Luft: -2.0 °C Wasser: 2.6 °C | Geschw: 0.9 km/h Richtung: 99.3 ° |
Allgemeine Informationen
Preise
Tages-Eintritt
Erwachsene 5.00
Lehrlinge/Studenten 4.00
Kinder/Jugendliche bis 16.J.2.00
Parkgebühren
Saisonkarte Auto 120.00
Sommerprogramm
Sommerprogramm / Wintertreff 2012
Das Sommerprogramm 2012 folgt rechtzeitig auf die neue Saison.
Zur Einstimmung auf die neue Saison laden wir Sie am 13. Januar 2012 gerne zum traditionellen Wintertreff ein.

